Klaus Richter

Klaus Richter Einen Schritt daneben

Einen Schritt daneben

Seltsame Geschichten aus dem Leben eines alternden Einzelkindes

Schiler & Mücke
Sprache: Deutsch
1. Auflage ()
Hardcover, 248 Seiten
ISBN 9783899302318
Verfügbarkeit:
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„Wissen Sie, warum ich Sie so gern hab?“
„Nein.“
„Weil Sie so gar nicht bour­geois sind. Genau wie ich.“
Ich wollte die Musik leiser drehen.
„Nein! Bitte! Ich liebe ja Ihre Platten. Ist das John Mayall?“
„Nein. Jimi Hendrix.“
„Ein reizendes Kerl­chen, dieser Jimi Hendrix. Kennen Sie Werner Schroeter?“
Klar kannte ich Werner Schroeter. Er und Rosa von Praun­heim hatten sich mit Nackt­fotos an der Berliner Film­hoch­schule beworben, waren abge­lehnt und trotzdem berühmt geworden.
„Den Werner kannte ich schon als Kind“, sagte sie. „Ein ganz reizendes Kerl­chen. Und er versteht so viel von Musik.“
„Er ist Callas- und Cate­rina Valente-Fan“, ergänzte ich, „und schwul.“
„Sind Sie auch schwul?“
„Nicht dass ich wüsste.“
„Mir ist das egal. Ich bin nach allen Seiten offen.“
„Sie sind ja auch nicht bour­geois.“
„Woher wissen Sie das?“ Sie lachte über meinen beläm­merten Gesichts­aus­druck; wenn sie halb­wegs nüch­tern war, konnte sie witzig sein, sogar selb­s­t­iro­nisch.

„Klaus Richter hat ein wunder­bares Buch geschrieben, voller über­ra­schender Einsichten in ein facet­ten­rei­ches Leben. Er denkt auch nach darüber, wie er es aus einer Säufer­kn­ei­pen­kind­heit zum erfolg­rei­chen Schrift­s­teller bringen konnte. Er tut dies voller Humor, voll lebens­naher Anek­doten durch die Jahr­zehnte. Vor allem in seiner Münchner Zeit während der Studen­te­n­un­ruhen versam­meln sich makabre, zum Teil groteske, schwarz­hu­mo­rige Geschichten, die aber immer voller Liebe zu den Prota­go­nisten geschil­dert sind.
Für mich ein bißchen wie der „Big Lebowski“ ein Lehr­bei­spiel dafür, wie man nicht nur durch Karrie­rismus und Ehrgeiz weiter­kommt, sondern manchmal gerade durch das Gegen­teil, durch eine gewisse Lässig­keit, durch Hedo­nismus und ein geschärftes, kriti­sches Bewusst­sein.“ (Oskar Roehler)

Klaus Richter, geboren 1943 in Hamburg, war Autor, Lektor und Jour­na­list. Er schrieb zu zahl­rei­chen Kino- und Fern­seh­filmen das Dreh­buch; u.a. zu ›Come­dian Harmo­nists‹, ›Jud Süß: Film ohne Gewissen‹ und ›Der Trafi­kant‹.

Aus dem Nach­wort von Herbert Fell:
Die auto­bio­gra­fi­schen Erzäh­lungen sind ein Geschenk und kost­barer Schatz. Sie zeigen Klaus Richter als gewandten Erzähler und aufrechten Humo­risten, dessen genauer und daher auch uner­bitt­li­cher Blick immer auch Nach­sicht und Milde walten lässt. Seine Beschei­den­heit und uneitle Art – etwas ganz Seltenes im Film­ge­werbe –, sein genaues Auge, sein sprü­hender Witz und seine Menschen­f­reund­lich­keit leben in diesem Buch weiter.